Es ist denkbar, dass die Ich-Figur in ihren Erinnerungen nur schmerzhafte Begegnungen mit Männern gekannt hat (Ursprung ihrer Störungen und labilen Persönlichkeit), und dass die Motive der Gewalt und der Angst im Mittelpunkt des Romans stehen. Gewalt, Krankheit, Tod sind wiederholte Themen im Roman. Die Weiblichkeit wird ständig vernichtet, geopfert , erniedrigt- « Sind wir von minderer Rasse? »63 - durch den Machtanspruch der Männer.64 Diese Männer haben mehrere Gesichter: Der Vater, Malina, Ivan, der Junge der ihr in ihrer Kindheit einen Schlag ins Gesicht gegeben hatte, die Krokodile. Die Ich Erzählerin ist von der Liebe desillusioniert, ihre Hoffnung nach einem Glücklichsein mit Ivan scheitert, ihr ideales alter Ego Malina wirkt am Ende destruktiv und zerstörerisch, ihre schmerzhafte Erinnerungen an ihrem Vater und an die anderen Männern, deren Gewalt ihr angst macht, verfolgen sie geistlich immer noch. Sie hat Angst vor diesem gewalttätigen System. « Der Roman setzt effektvoll die dekonstruktive Subversion an. Diese Art von Subversion zeigt genau die Selbstzerstörerischen Elemente der Macht und Gewalt, auf deren Basis die institutionalisierten Systeme und Mechanismen ihre Macht begründet.65 Der Roman kritisiert die Geschlechtshierarchie, wo der Mann an der Macht ist. Diese Geschlechtshierarchie wirft die Ich Figur Malina vor: « Ich bin zermalmt worden, du ja nicht! »66 Alle ihre Illusionen, beziehungsweise Liebe, sind durch die subversive pervertierte Gesellschaft zerstört.
« Die Sehnsucht der Ich-Erzählerin nach der verlorenen Zeit des Märchens, die Glorifizierung des utopischen geht mit einer märchenhaften Beschreibung des weiblichen einher. Diese Innerlichkeit versinnbildlicht eine Abkehr von der « universellen Prostitution » (S. 274 F/M 1980), der Nachkriegsgesellschaft mit sozialen und politischen Ungerechtigkeiten wie z. B. « Menschenhandel » (S.274 F/M 1980) und von der Entfremdung durch die Massengesellschaft. »67
In dem dualistischen System der abendländischen Gesellschaft, männlich/weiblich, Kultur/Natur, Aufklärung/Mythos, Denken/Gefühl, ist es scheinbar, dass Frauen nicht auf der gleichen Ebene der Männer stehen. Im Vergleich zum Mann, der die Vernunft und die Fäden der Gesellschaft in der Hand hält, ist die Frau im Roman mal mystisch (in den Märchen ist sie als Prinzessin zum Beispiel dargestellt), mal Identitätslos betrachtet - als sie zum Beispiel mit ihrem Vater im « Friedhof der ermordeten Töchter »68 ist, haben die beerdigten Frauen kein Gesicht, als ob ihre weiblichen Identitäten verleugnet wurden.
Kurz bevor die ich-Figur stirbt, « Es war Mord »69, hört sie schon auf, zu existieren. Es gibt kein « Ich » mehr, und das Pronomen « es » ersetzt das « Ich »: « Und es ist etwas in der Wand, es kann nicht mehr schreien, aber es schreit doch: Ivan! »70 Es ist, als ob sie plötzlich Geschlechtslos wäre, als ob es das Ende für sie wäre. Ihr Tod führt zur Ende des Romans.
Die Ich-Figug versucht im Laufe des Romans sich selbstzuverwirklichen, sich von ihrem grausamen « Frauenschicksal » zu befreien, indem Sie den vernünftigen Malina erfindet, ihr männlicher Doppelgänger, und indem sie « glücklich mit Ivan » versucht zu sein. Leider scheitert die Suche der Ich-Figur nach einer Heilung und einer Harmonisierung mit den zwei männlichen Figuren. Die Liebe (Ivan) und die Ratio (Malina) wirken immer mehr zerstörerisch und agressiv. Die Beziehung zwischen der Ich-Figur und Ivan endet sich und Malina ermordet sie am Ende. Die männlichen Figuren überleben, die weibliche Figur ist hingegen dekonstruirt, zerstört und schließlich annulliert.71
63Malina (1980), Bachmann, S. 132
64Auf der Suche nach dem weiblichen Subjekt, Cho-Sobotka, S. 29
65Ebd, S. 63
66Malina (1980), Bachmann, S. 305
67Auf der Suche nach dem weiblichen Subjekt, Cho-Sobotka, S. 60
68Malina (2004), Bachmann, S. 174
69Ebd, S. 338
70Ebd, S. 337
71Auf der Suche nach dem weiblichen Subjekt, Cho-Sobotka, S. 37